Der Theologieprofessor Helmut Thielicke
schließt seine Memoiren so:

»Den in sieben Farben aufglühenden Bogen (Regenbogen) habe ich in meinem Leben immer wieder erblickt. Wenigstens, wenn ich aufhörte, ins Dunkel zu starren und meine Augen erhob, um nach ihm zu suchen. Und tatsächlich, mir ist keine Finsternis begegnet, über der er nicht leuchtete. Und noch kein so dunkles Tal, in dem mich nicht einige Grüße Gottes erreicht hätten. Wir sind freilich nur Gäste auf diesem schönen Stern, Bewohner auf Abruf und mit versiegelter Order, in der Tag und Stunde des Aufbruchs verzeichnet sind. Der Abschied ist sicher nicht leicht. ´Ich wär ja so gern noch geblieben, aber der Wagen der rollt!´

Doch als Christen sind wir uns dessen gewiß, dass die uns zugemessene Lebensspanne nur die Adventszeit einer noch größeren Erfüllung ist. Das Land, in das wir gerufen werden, ist eine ´terra incognita´, ein unbekanntes, ja ein unvorstellbares Land. Nur eine Stimme gibt es, die wir wiedererkennen werden, weil sie uns hier schon vertraut war, die Stimme des guten Hirten.«

Aus: Helmut Thielicke, »Zu Gast auf einem schönen Stern«, Hamburg 1984, Seite 535 – 536