Pastor Siegi Ochs
Krefeld

Himmelfahrt

Nachdem ich gestern morgen im Drogeriemarkt an der Kasse meine Waren bezahlte, wünschte mir die Verkäuferin noch einen schönen Feiertag.

Nun ist das bei Pastoren mit den Feiertagen ja sowieso so eine Sache ...

- Aber wen feiern wir heute eigentlich?
- Und wessen Tag ist das heute?

Jetzt könnten wir hier und heute lang und breit darüber lamentieren, daß man den kirchlichen Feiertag "Christi Himmelfahrt" einfach in den Vatertag umfunktioniert hat. Nachdem die Mütter bereits am Sonntag gefeiert und geehrt wurden, sind heute eben die Väter dran. Schließlich leben wir in der Zeit der Gleichberechtigung der Geschlechter und vielleicht ist der Vatertag ja auch ein Indiz dafür, daß die Männer langsam anfangen sich zu emanzipieren.

Können wir das einer Gesellschaft, die Gott nicht mehr kennt, zum Vorwurf machen, daß sie statt Gott die Menschen ehrt und feiert?

Sind nicht vielmehr wir gefragt, die wir Gott kennen - ob wir denn Gott ernst nehmen und ihn feiern?

Ob wir uns denn der Herrschaft Christi wirklich bewußt sind und in dem Bewußtsein leben, daß Christus im Regimente sitzt?

Oder anders gefragt: Ist Christi Himmelfahrt und die Tatsache, daß Jesus auf der Regierungsbank Gottes Platz genommen hat, für uns lediglich ein historischer Gedenktag, oder eine alltägliche Erfahrung?

Damit sind wir mitten drin in einem spannenden Psalm, der gut zu diesem Tag und zu all diesen Fragen paßt, die dieser Tag "Christi Himmelfahrt" zwangsläufig aufwirft.

Psalm 95: Kommt und jauchzt vor dem HERRN, wir begrüßen ihn mit Freudengeschrei; denn er ist unser starker Helfer! Wir treten vor ihn mit unserem Dank, wir ehren ihn mit unseren Liedern! Denn der HERR ist der höchste Gott, der große König über alle Götter: In seiner Gewalt sind die Tiefen der Erde, und ihm gehören die Gipfel der Berge. Das Meer gehört ihm - er hat es gemacht, und auch das Land - er hat es geformt.

Kommt, verneigt euch, werft euch nieder, geht auf die Knie und betet ihn an, ihn, den HERRN, unseren Schöpfer! Denn er ist unser Gott, und wir sind sein Volk, er sorgt für uns wie ein Hirt, er leitet uns wie eine Herde.

Heute gilt es! Hört, was er euch sagt: »Seid doch nicht so starrsinnig wie eure Vorfahren damals in Meriba oder an dem Tag von Massa in der Wüste! Sie haben mich dort herausgefordert, mich haben sie auf die Probe gestellt, und hatten doch meine Taten selber gesehen! Angewidert haben sie mich, die ganze Generation, vierzig lange Jahre! Schließlich mußte ich mir sagen: 'Alles, was sie wollen, ist verkehrt; nach meinem Willen haben sie nie gefragt.' Darum habe ich geschworen in meinem Zorn: 'Niemals werden sie das Land betreten, wo ich ihnen Ruhe geben wollte!'«

Zugegeben, der Wochenpsalm nimmt im 7. Vers eine überraschende und für unsere Ohren auch eine bedrohliche Wendung an. Wenn man diese elf Verse so hört und vielleicht auch in der eigenen Bibel mitgelesen hat, könnte man bei den letzten vier Versen stecken bleiben und bei einer anderen Bestuhlung immer tiefer in den Sessel rutschen. Denn die letzten Verse haben es in sich. Die hören sich nicht gut an. Die klingen sehr bedrohlich. Die machen erst einmal richtig Angst.

Deshalb ist es wichtig, daß wir den ganzen Psalm sehen und nicht nur die letzten Verse. Der ganze Psalm ist eine Einladung, eine Einladung an uns, die wir Gott kennen, ihn zu feiern, ihn zu ehren und ihm zu vertrauen. Der Psalmist - dessen Name uns unbekannt bleibt - lädt uns ein Gott Loblieder zu singen: Kommt, kommt laßt uns Gott feiern.

1. Einladung zum fröhlichen Feiern

2. Einladung zu demütiger Anbetung

3. Einladung zum gehorsamen Vertrauen

 

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