Lange stand ich vor der
schmalen Holzbrücke, die sich im stillen Gewässer spiegelte. Es war eine Brücke zum Hin- und Hergehen, hinüber und herüber. Ich blieb stehen und dachte über das Gehen nach
und darüber, wie sich im Wasser der eine Weg zu einem doppelten spiegelte.
Auch die Trauer ist ein Gang hinüber und herüber. Hinüber, dorthin, wohin der andere ging.
Und zurück, dorthin, wo man mit ihm war in der Zeit des gemeinsamen Lebens.
Und dieses Hin- und Hergehen ist wichtig. Denn da ist etwas abgerissen. Die Erinnerung fügt es zusammen, immer wieder.
Da ist etwas verloren gegangen. Die Erinnerung sucht es auf und bringt es zurück. Da ist etwas von einem selbst weggegangen. Man braucht es und geht ihm also nach.
Man muss es bewahren, um weiter zu leben.
Man muss das Land der Vergangenheit erwandern,
hin und her, bis einmal der Gang
über die Brücke auf einen neuen Weg führt.
(Jörg Zink in: “Trauer hat heilende Kraft”, S. 16
Freiburg i.Br., Verlag Herder 2014, Verlag Herder GmbH, Hermann-Herder-Str. 4 D-79104 Freiburg im Breisgau)
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